Theoretical Chemistry Genealogy Project
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Karl Jug
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Karl Jug wurde 1939 in Essen geboren. Er begann 1959 sein Physikstudium an der Universität Frankfurt. Er hörte Vorlesungen in Mathematik bei R. Baer und R. Moufang, in Physik bei M. Czerny, H. Dänzer, H. Steinwedel und G. Süßmann und in Chemie bei H. Hartmann, P. Royen und T. Wieland. Die attraktiven Vorlesungen in Physikalischer Chemie von Hermann Hartmann bewogen ihn, unter dessen Leitung eine Diplomarbeit über ein Thema aus der Quantenchemie anzufertigen, die 1964 abgeschlossen wurde. Ein Jahr später promovierte er in Physikalischer Chemie, ebenfalls bei Hartmann. Von 1965 – 1967 war er Redaktions­leiter der kurz zuvor von Hartmann neu gegründeten Zeitschrift Theoretica Chimica Acta. Seine Tätigkeit bei der Zeitschrift und eine Anzahl eigener Buchbesprechungen gaben ihm einen guten Überblick über die damalige Forschung in der Theoretischen Chemie. Nach einer Sommerschule bei P. O. Löwdin in Schweden ging er 1967 als Postdoc zu Peter Lykos an das IIT in Chicago. Eine über fünfjährige Lehrtätigkeit an der Saint Louis University schloss sich ab 1969, zunächst als Assistant Professor, dann ab 1971 als Associate Professor an, bevor Karl Jug Anfang 1975 nach Deutschland zurückkehrte, um als erster Professor für Theoretische Chemie an der damaligen TU Hannover eine Arbeitsgruppe aufzubauen. Von 1983 - 2004 war er geschäftsführender Leiter des neu eingerichteteten Fachgebiets für Theoretische Chemie.

Die schon in St. Louis begonnene Entwicklung der semiempirischen MO-Methode SINDO wurde weitergeführt. Konzepte wie Atomladung und Bindung in Molekülen, Valenz, Diradikale und Zwitterionen, sowie Aromatizität wurden neu definiert und präzisiert. Die Anwendung auf organische Systeme begann mit thermischen Reaktionen und führte zu Photoreaktionen. Eine Zusammenarbeit in Hannover mit J. Heidberg öffnete den Weg zu Adsorption und Katalyse an Festkörperoberflächen. Kooperationen mit M. Binnewies fokussierten auf Cluster und Festkörper­reaktionen.

Als häufige Gäste in Arbeitskreis waren u. a. M. V. Basilevsky, N. D. Epiotis, R. A. Evarestov, M. S. Gopinathan, C. Minot, R. F. Nalewajski, R. Ponec und M. C. Zerner. Gastprofessuren an der Florida State University bei W. Rhodes (1970), an der Johns Hopkins University bei R. G. Parr (1971), an der Universität Zürich bei H. Labhart (1971), an der Universität Stuttgart bei H. Preuß (1972, 1973), am IIT Madras bei M. S. Gopinathan (1987), an der Jagiellonen Universität Krakau bei R. F. Nalewajski (1989), an der Akademie der Wissenschaften in Prag bei R. Ponec (1992), an der Staats­universität Moskau bei E. V. Babaev (1996, 1997), an der Université P. et M. Curie, Paris bei C. Minot (1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002), an der University of Hyderabad bei K. Sen (2000) und an der Jagiellonen Universität Krakau bei R. F. Nalewajski und A. Michalak (2007) unterstützten Kontakte im Rahmen der viel­fältigen wissenschaftlichen Aktivitäten.

Sein Lehrbuch „Mathematik in der Chemie“ erschien 1981, mit einer zweiten Auflage 1993.

Auf der Basis des Genealogieprojekts Theoretische Chemie erschien 2014 sein Buch "Zweihundert Jahre Entwicklung der Theoretischen Chemie im deutschsprachigen Raum".

Karl Jug wurde 1984 korrespondierendes Mitglied der European Academy of Arts, Scienes and Humanities (jetzt European Academy of Sciences, Arts and Letters) und 1993 Mitglied der Humboldt-Gesellschaft, deren Vizepräsident er 2014 wurde. 2001 wurde er mit einer Medaille des Ministeriums für Bildung der Republik Ungarn ausgezeichnet.

 

Quelle: T. Bredow, J. Heidberg, Theor. Chem. Acc. 114, 2 (2005); Wikipedia